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Trend bei den Insolvenzen in Deutschland 2022 

Insolvenzen

Das Unternehmen Creditreform hat den Trend bei den Insolvenzen in Deutschland im Jahr 2022 ermittelt. Demnach zeichnete sich im Quartal eine Trendumkehr ab: Die Gesamtzahl der Insolvenzen ist rückläufig. Die Unternehmensinsolvenzen könnten auf ihrer Talsohle angelangt sein.

Entwicklung von Insolvenzen im Jahr 2022

Die hohen Energiekosten hatten Zahl der Insolvenzen erstmals seit 2009 wieder steigen lassen. Es gab 4 % mehr Insolvenzen als 2021, was bundesweit insgesamt 14.700 Unternehmensinsolvenzen bedeutete (2021: 14.130). Dennoch blieb das Insolvenzaufkommen auf einem niedrigem Niveau. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 hatte es in Deutschland 28.720 Unternehmensinsolvenzen gegeben. Betroffen waren von den Insolvenzen des Jahres 2022 rund 175.000 Arbeitnehmer*innen, was ein Plus gegenüber 2021 von 34.000 verlorenen Stellen bedeutete. Das liegt auch an großen Insolvenzfällen wie bei GALERIA Karstadt Kaufhof und dem Schuhfilialisten „Görtz“. Die Insolvenzgläubiger mussten offene Forderungen von 36 Milliarden Euro abschreiben. Betroffen waren die meisten Hauptwirtschaftsbereiche.

Einen deutlichen Anstieg der Insolvenzen gab es unter anderem im Baugewerbe (+17,3 %) und bei Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes (+15,2 %). Das Gros machte zwar mit 8.450 Insolvenzen der Dienstleistungssektor aus, doch hier betrug der Anstieg gegenüber dem Vorjahr nur 2,9 %. Im Handel waren die Insolvenzzahlen sogar leicht rückläufig (-5,8 %). Zwar ist der Beschäftigungsrückgang infolge von Insolvenzen vor allem durch Fälle der großen Unternehmen bedingt, doch hinsichtlich der reinen Zahl gibt es die meisten Insolvenzen (85 % der Gesamtzahl) bei Kleinstunternehmen mit maximal 10 Mitarbeitern. Das liegt an ihrer schwachen Kapitaldecke und der mangelnden Planungssicherheit in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld.

Junge vs. alte Unternehmen im Insolvenzgeschehen

Junge Unternehmen mit einer Gründung vor maximal 10 Jahren gehen mit 56,9 % der Gesamtzahl häufiger in die Insolvenz als ältere Firmen. Von den mindestens 20 Jahre bestehenden Unternehmen mussten in Relation zu allen Insolvenzen nur 17,1 % Konkurs anmelden.

Rückläufige Insolvenzen bei privaten Verbrauchern und Freiberuflern

Die Verbraucherinsolvenzen gingen 2022 um 17,3 % zurück, nachdem sie 2021 stark angestiegen waren. Es gab 65.300 Verbraucherinsolvenzen, im Jahr 2021 waren es noch 78.920 gewesen. Das lässt sich aber mit einem Nachholeffekt in 2021 durch die Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens erklären. Die gegenwärtige Energiekrise hat noch nicht vermehrt Privatpersonen in die Insolvenz getrieben. Fachleute erwarten allerdings, dass sich das mit zunehmender Dauer der erhöhten Belastungen bei sich gleichzeitig verschlechternder Konjunktur ändern wird. Es dürfte künftig mehr Zahlungsausfälle bei privaten Verbrauchern geben. Auch Freiberufler meldeten 2022 etwas seltener Insolvenz an als im Vorjahr. Der Rückgang der Zahlen lag bei -11,9 %, was insgesamt 24.800 Fälle bedeutete.

Erschwertes Umfeld durch Zinsanstieg und Inflation

Seit die Inflation und die Zinsen gestiegen sind, hat sich das Umfeld sowohl für die Kreditaufnahme als auch für den Schuldendienst bei bestehenden Krediten verschlechtert. Daraus erwächst nach Expertenmeinung ein hohes Potenzial für künftige Forderungsausfälle und Insolvenzen schon ab 2023.